Dafuer das ich urspruenglich nur ein Jahr hier bleiben wollte klingen 6 schon richtig lang. Bald zu lang, denn in den letzten Wochen kristallisiert es sich mehr und mehr fuer mich heraus, dass ich nun doch wieder zurueck nach Deutschland moechte. Ich, diejenige die bis vor ein paar Monaten sich diesen Schritt nicht wirklich vorstellen konnte und ihrem Mann mehr als einmal sagte, das sie hier alt werden moechte oder wenigstens noch ein paar Jahre bleiben wolle. Ich bin jetzt diejenige die in ihrem Kopf schon den Rueck-Umzug plant waehrend der Mann davon derzeit nichts wissen will.
Irgendwie ist bei uns zur Zeit verkehrte Welt.
Ich liebe Amerika und habe hier mit die schoensten Jahre meines Lebens erlebt und verlebt, erfreue mich taeglich an der stressarmen Lebensweise, bin immer wieder von der Mannigfaltigkeit der Landschaftsbilder sprachlos und fuehle mich wohl ueber die aufgesetzte Freundlichkeit des Amerikaners. Wer nicht? Ist es doch schoen immer wieder gefragt zu werden wie es einem geht (auch wenn der Frager bestimmt keine ehrliche Antwort darauf moechte), erfreut man sich an den kleinen Gespraechen in Schlangen oder an der Kasse und geniesst die Komplimente ueber Frisur oder Klamotte.
Und dennoch gibt es immer mehr was mir fehlt, wobei ich ueberzeugt bin das es an der Schwangerschaft liegt, schliesslich kommen da so komische Gedanken auf was Existenzaengste und die Zukunft anbelangt.
Mir fehlt der Baecker mit den knusprigen Broetchen, als kleines Beispiel fuer diverse Lebensmittel, die es hier einfach nicht gibt oder nicht in der Art bzw. Form verfuegbar sind, wie ich es kenne. Ich moechte mal wieder zu Fuss einkaufen gehen koennen ohne Wanderschuhe und Rucksack dabei tragen zu muessen. Allein dieser Punkt ist nicht ohne, denn wenn man nicht mehr Auto fahren kann, dann ist man echt nicht ueberlebensfaehig, denn hier ist alles auf Auto-Transport geeicht.
Gut, das sind kleine Punkte und jeden einzelnen mag ich auch nicht auflisten, doch es gibt eben auch die grossen Aspekte und die sind finanzieller Natur und von dem her nicht ohne. Moechte ich mein Kind hier zum College schicken kostet das gern mal $50.000 pro Jahr und mehr, nach oben gibt es keine Grenze, es kommt einfach nur darauf an was es mal machen will und ob der Abschluss hoch anerkannt sein soll wie z.B. von Harvard, Yale, Stanford oder Princeton, oder nicht. Rechne ich das jetzt auf 3 Kinder, so ist das eine gutes Stueck Kapital, das man dagegen gut im Lebensabend verbrauchen koennte.
Jetzt koennte man sagen, das wir ja noch 4 Jahre haben bis es fuer Jasmin soweit ist. Stimmt. Und wir koennen uns gluecklich schaetzen bis dahin fuer 3 Tage Kindergarten fuer Max nur Tausend Dollar monatlich zu bezahlen, ein wahres Schnaeppchen eigentlich.
Ich freue mich auf unseren Deutschlandbesuch in Kuerze und auf so banale Dinge, wie einkaufen koennen ohne sich Sorgen zu machen ob das Obst/ Gemuese aus Kalifornien stammt, wo z.B. ein Anti-Pilz-Gift zum Einsatz kommt, das Krebs ausloest und in allen anderen Staaten verboten ist. Kaum zu glauben, doch hier sind um die 50.000 Gifte und Chemikalien zugelassen, die von Deutschland und Europa seit vielen Jahren verbannt sind. Nicht wenige kommen uebrigens von den bekannten deutschen Chemiekonzernen, welche Ironie.
Als wir vor 6 Jahren herkamen wurde fuer eine Anti-Baby-Pille geworben, die es heute schon gar nicht mehr gibt, da sie schwere koerperliche Schaedigungen hervorbrachte. Dafuer gibt es jetzt die entsprechende "Werbung" im TV, dass sich Geschaedigte an bad-drug dot com wenden sollen fuer eine eventuelle Entschaedigung. Der naechste Aufruf handelt von einem Medikament gegen Depression was man angeblich in der Schwangerschaft nehmen konnte, doch es verursachte enorme Schaeden beim Ungeborenen - meld dich bei bad-drug dot com! Erinnert alles irgendwie an den verheerenden Contergan Skandal Anfang der 60er. Das hier Medikamente nur sehr kurz getestet und sofort auf den Markt geworfen werden ist auch etwas, was mich sehr verunsichert, vor allem wenn man mal wirklich etwas hat und Medizin braucht. Ausserdem betrifft es auch die Medizin fuer Kinder und von den falsch herausgegebenen Medikamenten (weil alles aus grossen Verpackungen genommen und in kleine gelbe Pillendoeschen per Hand einsortiert wird) in den sogenannten Apotheken fang ich mal gar nicht an, denn das ist ein Skandal fuer sich.
Doch jetzt herrscht erst einmal Vorfreude in mir und ich zaehle die Tage, bis wir in den Flieger steigen.
Ich freue mich auf einen guten Italiener, leckeren Griechen (ich meine natuerlich Restaurants) und vor allem auf einen richtigen Eisbecher - nein, auch so etwas leckeres gibt es hier nicht und das wo die Sommer so lang und heiss sind. Will man hier einen Eisbecher essen greift man auf den sogenannten Sunday zurueck mit fetter Eiscreme, sehr viel kuenstlicher Sahne und einer zaehfluessigen, dicken unechten Kakaososse obendrueber. Der "Obstbecher" ist genauso in der Grundausstattung nur das die dicke Sosse nach kuenstlichen Erbeeren schmeckt und rot eingefaerbt ist. Kein frisches Obst, keinen Joghurt nicht wirklich etwas gutes, was man auf dem Eis finden kann.
Ich bin gespannt wie ich Deutschland dieses Jahr erleben werde, ob es ein Augen oeffnen ist oder eine Bestaetigung meiner derzeitigen Gedankengaenge...